Q1 2025 – Der Krypto-Präsident und die Ernüchterung

Makroökonomie · Zölle & Handelskrieg · Zinsen & Geldmenge · Bitcoin & Krypto

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Inhaltsverzeichnis

Vorwort

Ein Quartal, das Geschichte schrieb

Das erste Quartal 2025 war für Bitcoin und den gesamten Finanzmarkt kein gewöhnlicher Dreimonatsabschnitt. Es war ein Quartal, in dem aus politischen Versprechen politische Realität wurde, in dem institutionelle Investoren ihre Wetten auf Bitcoin weiter erhöhten und in dem der Preis der ältesten Kryptowährung der Welt zeitweise auf ein neues Allzeithoch kletterte – nur um danach wieder deutlich zu korrigieren.

 

In diesem Bericht beleuchten wir die wichtigsten Entwicklungen vom 1. Januar bis zum 30. März 2025. Wir erklären den Kontext, ordnen Ereignisse ein und helfen dabei, das große Bild zu verstehen – ohne dabei Fachjargon zu übertreiben oder wichtige Zusammenhänge zu verschweigen.

 

Dieser Bericht richtet sich an alle, die mehr als nur Schlagzeilen wollen. Die verstehen möchten, warum bestimmte Ereignisse passiert sind, was sie bedeuten und welche Fragen offenbleiben. Finanzwissen ist kein Luxus – es ist eine Grundvoraussetzung für informierte Entscheidungen. Genau deshalb gibt es uns.

Marktentwicklung

Vom Allzeithoch in die Korrektur: Der Bitcoin-Kurs in Q1 2025
 

Jahresstart und Ausgangslage

Bitcoin startete das Jahr 2025 bei einem Kurs von rund 93.390 US-Dollar – bereits ein Niveau, das noch Anfang 2024 als unrealistisch hoch gegolten hätte. Das vierte Halving im April 2024, die Zulassung der US-amerikanischen Bitcoin-Spot-ETFs im Januar 2024 und die wachsende Erwartung an eine krypto-freundliche US-Regierung hatten den Kurs im Verlauf des Jahres 2024 stark nach oben getrieben.

 

Wer das Jahr also mit Bitcoin-Engagements startete, befand sich bereits in einer komfortablen Position. Der Blick war auf zwei Schlüsselereignisse gerichtet: die Amtseinführung von Donald Trump am 20. Januar und mögliche politische Ankündigungen in Richtung Kryptowährungen.

 

Das Allzeithoch am Tag der Inauguration

Am 20. Januar 2025 stieg Bitcoin erstmals auf über 109.000 US-Dollar und übertraf damit das bisherige Allzeithoch vom 17. Dezember 2024, das bei 108.388 US-Dollar gelegen hatte. In Euro gerechnet markierte der Kurs an diesem Tag mit rund 105.951 Euro ebenfalls einen historischen Höchststand.

Dieser Zeitpunkt war kein Zufall. Es war der Tag der Amtseinführung von Donald Trump als 47. Präsident der Vereinigten Staaten. Seit seinem Wahlkampfauftritt auf der Bitcoin-Konferenz im Juli 2024 in Nashville hatte Trump wiederholt eine klar kryptofreundliche Haltung signalisiert. Er sprach davon, die USA zur „Bitcoin-Supermacht“ machen zu wollen, die strategischen Bitcoin-Bestände der US-Regierung zu behalten und eine nationale Bitcoin-Reserve einzurichten.

 

Die Finanzmärkte hatten diese Versprechen in den Monaten davor eingepreist. Bereits in der Woche vor der Inauguration kursierten Medienberichte, wonach Trumps Team Executive Orders zu Kryptowährungen vorbereite. Als der neue Präsident seinen Amtseid ablegte, reagierten die Kurse entsprechend.

Jahresstart, 01.01.2025
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Alzeithoch, 20.01.2025
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Quartalsschluss, 31.03.2025
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Die Korrektur: Warum fiel der Kurs nach dem Allzeithoch?

Was auf das Allzeithoch folgte, war eine der typischsten Kryptodynamiken: der Rücksetzer nach dem Hype. Ab Ende Januar korrigierte Bitcoin merklich und schloss das Quartal am 31. März bei rund 82.445 US-Dollar – also etwa 25 Prozent unter dem Jahreshoch.

 

Das klingt dramatisch, ist im historischen Kontext aber keinesfalls ungewöhnlich. In jedem der bisherigen Bitcoin-Bullenmärkte gab es auf dem Weg nach oben mehrfach Korrekturen von 20 bis 40 Prozent. Der Markt hatte sich schlicht sehr stark vorwärtsbewegt – eine technische Beruhigungsphase war einkalkuliert.

 

Mehrere Faktoren begünstigten die Korrektur:

  • Gewinnmitnahmen: Viele Investoren, die bereits im Jahr 2024 oder früher eingestiegen waren, nutzten das Allzeithoch für Verkäufe. Das ist ein normales Marktverhalten.
  • ETF-Abflüsse: Die US-amerikanischen Bitcoin-Spot-ETFs verzeichneten im Februar 2025 mehrfach aufeinanderfolgende Tage mit Netto-Abflüssen – das bedeutet, mehr Kapital wurde abgezogen als neu investiert. Der bisherige Negativrekord lag bei acht aufeinanderfolgenden Tagen mit Abflüssen.
  • Korrelation mit Tech-Aktien: Bitcoin weist seit 2024 eine hohe Korrelation mit Software-Aktien auf. Als der Technologiesektor im Frühjahr unter Druck geriet, zog das auch Bitcoin nach unten.
  • Makroökonomische Unsicherheit: Diskussionen über Zölle, Handelskonflikte und die Geldpolitik der US-Notenbank Federal Reserve sorgten für allgemeine Risikoaversion an den Märkten.

„Selbst im vergangenen Bullenmarkt ist Bitcoin im Sommer 2021 um mehr als 55 Prozent eingebrochen – um anschließend wieder auf neue Höchststände zu steigen. Korrekturen sind Teil des Spiels.“

— Tristan, Chefredakteur Blocktrainer.de

 

Einordnung: Was bedeutet das für Anlegerinnen und Anleger?

Wer Bitcoin langfristig betrachtet, sollte die Quartalsentwicklung in einem breiteren Kontext einordnen. Auch wenn das Quartal mit einem Minus von rund zwölf Prozent gegenüber dem Jahresstart abschloss – verglichen mit dem Jahresauftakt 2024, als Bitcoin noch bei rund 44.000 US-Dollar gehandelt wurde, befand sich der Kurs auf einem völlig anderen Niveau.

 

Das zentrale Lernprinzip für Einsteiger: Kurzfristige Kursschwankungen sagen wenig über langfristige Entwicklungen aus. Wer Bitcoin nur anhand einzelner Wochen oder Monate bewertet, riskiert Fehleinschätzungen in beide Richtungen – übermäßige Euphorie bei Hochs, übermäßige Panik bei Korrekturen.

Institutionelle Adaption

Eines Jahres Bitcoin-Spot-ETFs in den USA
 

Ein steiniger Weg – und ein triumphaler Start

Am 11. Januar 2025 jährte sich die Zulassung der US-amerikanischen Bitcoin-Spot-ETFs durch die Securities and Exchange Commission (SEC) zum ersten Mal. Das verdient einen genaueren Blick, denn dieser Meilenstein war wichtiger als er auf den ersten Blick erscheinen mag.

 

Die Geschichte der Bitcoin-Spot-ETFs in den USA ist zunächst eine Geschichte des Scheiterns: Bereits im Sommer 2013 reichten die Winklevoss-Zwillinge – bekannt als frühe Bitcoin-Investoren und als Gegenspieler von Mark Zuckerberg in der Facebook-Gründungsgeschichte – den ersten Antrag für einen „Winklevoss Bitcoin Trust“ ein. Die SEC lehnte ab. Dann nochmals. Und nochmals. Über elf Jahre lang stellte sich die Behörde jedem Antrag entgegen, mit der Begründung, der Bitcoin-Markt sei nicht ausgereift genug und anfällig für Manipulation.

 

Erst am 10. Januar 2024 genehmigte die SEC schließlich insgesamt elf Bitcoin-Spot-ETFs auf einmal – darunter Produkte von BlackRock, Fidelity, Invesco und weiteren namhaften Vermögensverwaltern. Am 11. Januar 2024 startete der erste Handelstag.

 

Die Zahlen: Alle Erwartungen übertroffen

Das erste Jahr übertraf alle Prognosen. Der iShares Bitcoin Trust (IBIT) von BlackRock legte den nach vielen Maßstäben besten ETF-Start aller Zeiten hin und stellte auch das erste Jahr des ersten Gold-Spot-ETFs aus dem Jahr 2004 deutlich in den Schatten. In den ersten Handelstagen wurden allein aus diesen neuen Produkten Milliarden von Dollar in Bitcoin-Positionen umgewandelt.

 

Bis Januar 2025 hatte sich der Bitcoin-Kurs seit dem ersten ETF-Handelstag in etwa verdoppelt. Ein direkter Kausalzusammenhang lässt sich zwar nicht abschließend beweisen, aber der Beitrag der ETFs als struktureller Nachfragebeschleuniger ist unbestreitbar.

 

WAS IST EIN BITCOIN-SPOT-ETF?

Ein Spot-ETF (Exchange Traded Fund) ist ein Anlageprodukt, das direkt mit echten Bitcoin hinterlegt ist. Anders als bei Futures-ETFs – die auf Terminkontrakte setzen – halten Spot-ETF-Anbieter tatsächlich Bitcoin in Verwahrung. Für Anleger bedeutet das: Sie können über ein klassisches Börsendepot in Bitcoin investieren, ohne selbst eine Wallet einrichten oder Kryptobörsen nutzen zu müssen. Das klingt simpel, war aber für viele institutionelle Investoren – Pensionsfonds, Versicherungen, Vermögensverwalter – die entscheidende Voraussetzung für ein Engagement.

 

Warum sind ETFs für den Markt so bedeutsam?

Zwei Aspekte sind besonders relevant. Erstens ermöglichen Spot-ETFs großen institutionellen Investoren, die oft strikten internen Compliance-Anforderungen haben, einen regulierten Zugang zu Bitcoin. Ein Pensionsfonds kann nicht einfach auf einer Kryptobörse handeln – aber er kann sehr wohl einen ETF kaufen.

 

Zweitens – und das ist ein strukturelles Argument – schafft die Zulassung mächtige Interessengruppen, die fortan vom Erfolg Bitcoins profitieren. BlackRock, Fidelity und andere kassieren Verwaltungsgebühren proportional zur verwalteten Summe. Je höher der Bitcoin-Kurs und je mehr Anlegerkapital in die ETFs fließt, desto besser für sie. Ein Bitcoin-Verbot in den USA, das 2024 noch theoretisch denkbar gewesen wäre, ist damit praktisch undenkbar geworden.

 

In Europa gibt es bereits seit einigen Jahren vergleichbare Produkte – ETNs und ETCs –, die jedoch aufgrund der UCITS-Richtlinie der EU keine klassischen ETFs sein können (diese Richtlinie untersagt ETFs, die nur ein einzelnes Asset abbilden). Kanada hatte bereits seit Februar 2021 einen Bitcoin-Spot-ETF. Die US-Zulassung war aber die entscheidende, weil die USA der weltweit größte Kapitalmarkt sind.

 

Strategy (ehemals MicroStrategy): Das wichtigste Unternehmen im Bitcoin-Umfeld

Kein Rückblick auf institutionelle Bitcoin-Adoption wäre vollständig ohne Strategy, das Unternehmen von Michael Saylor. Strategy hat sich zur weltweit größten börsennotierten Bitcoin-Holding-Gesellschaft entwickelt und kauft seit Sommer 2020 kontinuierlich Bitcoin – finanziert durch Kapitalmarktmaßnahmen wie die Ausgabe neuer Aktien und Wandelanleihen.

 

Im Verlauf des ersten Quartals 2025 kaufte Strategy weiter aggressiv Bitcoin nach und trieb seinen Bestand deutlich über die 400.000-BTC-Marke. Das Unternehmen wurde damit zu einem strukturellen Nachfragefaktor am Markt: Allein seit Oktober 2024 hatte Strategy für mehr als 23 Milliarden US-Dollar neue Aktien emittiert, um Bitcoin zu kaufen.

 

Wichtig für das Verständnis: Strategy selbst schloss das erste Quartal 2025 mit einem bilanziellen Verlust von rund 4,2 Milliarden US-Dollar ab – ein Ergebnis der neuen Bilanzierungsvorschrift, die verlangt, Bitcoin-Bestände zum aktuellen Marktwert anzusetzen. Da der Kurs von 93.390 USD zu Jahresbeginn auf 82.445 USD zum 31. März fiel, entstand rechnerisch ein Buchverlust. Das täuscht aber darüber hinweg, dass das Unternehmen langfristig massiv im Plus ist.

US-Politik & Regulierung

Die strategische Bitcoin-Reserve der USA – Ein historisches Dekret
 

Hintergrund: Trumps Wahlkampfversprechen

Es war im Juli 2024, als Donald Trump auf der Bitcoin-Konferenz in Nashville eine Ankündigung machte, die die Krypto-Community elektrisierte: Die USA sollten nicht nur aufhören, ihre beschlagnahmten Bitcoin zu verkaufen – sie sollten aktiv eine nationale Bitcoin-Reserve aufbauen. Trump sprach davon, die USA zur „Bitcoin-Supermacht“ zu machen.

 

Für viele klang das wie Wahlkampfrhetorik. Doch Trump lieferte. Am 6. März 2025, weniger als zwei Monate nach seiner Amtseinführung, unterzeichnete er die entsprechende Executive Order.

 

Was die Executive Order konkret besagt

Die Anordnung hat mehrere wichtige Bestandteile:

  • Einrichtung einer „strategischen Bitcoin-Reserve“: Die USA überführen alle beschlagnahmten Bitcoin, die sich im Besitz der Bundesregierung befinden, in einen dauerhaften strategischen Bestand. Diese Bitcoin dürfen nicht mehr verkauft werden.
  • Bestandsaufnahme: Es wird eine umfassende Prüfung angeordnet, wie viele Bitcoin die US-Regierung tatsächlich hält. Schätzungen lagen bei rund 200.000 BTC – eine vollständige Prüfung hatte es zuvor nie gegeben.
  • Keine Kosten für Steuerzahler: Weitere Käufe sind explizit erlaubt, jedoch nur unter der Bedingung, dass sie „budgetneutral“ durchgeführt werden – also keine direkten Steuergelder eingesetzt werden.
  • Unterscheidung zwischen Bitcoin und anderen Kryptowährungen: Trump schuf auch einen separaten „Digital Assets Stockpile“ für andere Kryptowährungen, machte jedoch deutlich, dass Bitcoin eine Sonderrolle einnimmt.

Der historische Kontext: Was die USA bisher gemacht haben

Um die Tragweite des Dekrets zu verstehen, hilft ein Blick in die Vergangenheit. Immer wieder hatte die US-Regierung im Rahmen strafrechtlicher Verfahren konfiszierte Bitcoin versteigert oder verkauft – oft zu Preisen, die im Rückblick wie Schleuderpreise wirken.

 

Das berühmteste Beispiel ist die Silk Road-Beschlagnahmung. Die US-Behörden verkauften in mehreren Tranchen zehntausende von Bitcoin, die mit dem illegalen Darknet-Marktplatz Silk Road in Verbindung standen – zu Preisen, die sich gegenüber dem Kurs von 2025 um den Faktor 10 bis 100 unterscheiden. David Sacks bezifferte den dadurch entstandenen Wertverlust für US-Steuerzahler auf über 17 Milliarden US-Dollar.

 

Das Dekret beendet diese Praxis. Ob das klug ist oder nicht, darüber lässt sich trefflich diskutieren – aber es ist eine fundamentale politische Kursänderung.

 

„Vorzeitige Verkäufe von Bitcoin haben die US-Steuerzahler bereits über 17 Milliarden Dollar an verlorenem Wert gekostet. Jetzt wird die Regierung eine Strategie haben, um den Wert ihrer Bestände zu maximieren.“

— David Sacks, KI- und Krypto-Zar der US-Regierung, bei der Unterzeichnung

 

Der Widerstand: Nicht alle sind begeistert

Innerhalb von Tagen nach dem Dekret meldeten sich kritische Stimmen zu Wort. Der demokratische Kongressabgeordnete Gerald Connolly, ranghöchstes Mitglied im Komitee für Aufsicht und Regierungsreform, wandte sich mit einem förmlichen Schreiben an Finanzminister Scott Bessent.

Connolly führte mehrere Bedenken an: das Risiko für Steuerzahler, die hohe Volatilität von Bitcoin als staatliches Reserve-Asset, mögliche Interessenkonflikte innerhalb der Trump-Administration und grundsätzliche Fragen zur verfassungsrechtlichen Zuständigkeit des Präsidenten für einen solchen Schritt ohne Kongresszustimmung. Bemerkenswert: In seinem Schreiben sprach er konstant von einer „Kryptowährungsreserve“, obwohl Trumps Dekret explizit Bitcoin von anderen digitalen Vermögenswerten unterscheidet.

 

Auch Senatorin Elizabeth Warren, bekannt als langjährige Kritikerin des Kryptosektors, schrieb an David Sacks und bat um Klärung mehrerer offener Fragen, darunter wer vorab über das Dekret informiert worden sei.

 

Der Bitcoin Act of 2025: Der nächste Schritt

Parallel zur Executive Order kam Bewegung in die Gesetzgebung. Am 11. März 2025 brachte Senatorin Cynthia Lummis gemeinsam mit dem republikanischen Kongressabgeordneten Nick Begich den überarbeiteten „Bitcoin Act of 2025“ ein – diesmal erstmals auch im Repräsentantenhaus. Das ist bedeutsam, weil ein Gesetz breiter abgesichert wäre als ein Präsidentendekret, das eine Nachfolgeregierung ohne weiteres rückgängig machen könnte.

Der Gesetzentwurf sieht vor, dass die USA ihren Bitcoin-Bestand auf bis zu 1 Million BTC ausbauen – was zum damaligen Kurs einem Wert von rund 80 bis 90 Milliarden US-Dollar entsprochen hätte. Nick Begich äußerte in Interviews, er hoffe, die USA würden eines Tages 1 Million BTC halten. Für diesen Kauf sollten budgetneutrale Wege geprüft werden, etwa die Neubewertung der US-Goldreserven.

 

Einordnung: Was bedeutet das wirklich?

Die strategische Bitcoin-Reserve ist in erster Linie ein Signal. Ein Signal dafür, dass die USA Bitcoin nicht als Randphänomen oder Bedrohung für das Finanzsystem betrachten, sondern als strategisch relevantes Asset. Ob die Reserve je wirklich ausgebaut wird, ob der Kongress entsprechende Gesetze verabschiedet, bleibt offen.

 

Für andere Länder – und das ist vielleicht der wichtigste internationale Effekt – setzt das einen Präzedenzfall. Wenn die größte Volkswirtschaft der Welt Bitcoin strategisch hält, wird es für andere Regierungen schwieriger, das Asset weiterhin zu ignorieren oder zu verbieten.

Regulierung & Rahmenbedingung

Das regulatorische Umfeld: USA und Europa im Vergleich
 

USA: Kehrtwende nach Jahren der Konfrontation

Das erste Quartal 2025 markiert in den USA eine regulatorische Kehrtwende, die in ihrer Geschwindigkeit fast überraschend war. Unter Gary Gensler, dem Vorgänger von Paul Atkins als SEC-Chef, hatte die US-Börsenaufsicht den Kryptosektor über Jahre mit Klagen und Ermittlungen überzogen. Coinbase, Binance, Kraken und zahlreiche andere Unternehmen standen vor Gericht oder unter Beobachtung.

 

Mit dem Amtsantritt von Trump änderte sich die Stimmung. Paul Atkins, der neue SEC-Chef, gilt als deutlich aufgeschlossener gegenüber dem Kryptosektor. Erste Verfahren wurden eingestellt oder pausiert. David Sacks, als „KI- und Krypto-Zar“ direkt im Weißen Haus angesiedelt, koordiniert die Kryptostrategie ressortübergreifend.

 

Die SAB 121 Aufhebung: Ein technisches, aber wichtiges Detail

Ein weniger beachtetes, aber für institutionelle Investoren bedeutsames Ereignis: Die SEC hob die SAB 121 (Staff Accounting Bulletin 121) auf. Diese Regelung hatte es Banken praktisch unmöglich gemacht, Bitcoin im Auftrag von Kunden zu verwahren, da sie verlangte, diese Bestände als eigene Verbindlichkeiten in der Bilanz zu führen – was prohibitiv teuer war.

 

Die Aufhebung öffnet den Weg für traditionelle Banken, als Verwahrer für Bitcoin zu fungieren. Das ist ein bedeutender Schritt hin zu einer vollständigen Integration von Bitcoin in das traditionelle Finanzsystem.

 

Europa: MiCA kommt – aber langsam

In Europa trat im ersten Quartal 2025 die europäische Kryptoregulierung MiCA (Markets in Crypto-Assets) vollständig in Kraft. MiCA schafft erstmals einen einheitlichen Regulierungsrahmen für Kryptowährungen in allen EU-Mitgliedsstaaten.

 

Für Unternehmen bedeutet das: Wer in einem EU-Land eine MiCA-Lizenz erhält, kann damit in der gesamten Union tätig sein – ähnlich dem Prinzip des europäischen Passes im Bankenwesen. Das ist grundsätzlich positiv, weil es Rechtssicherheit schafft und kleine Anbieter entlastet, die bisher in jedem Land einzeln regulatorische Hürden überwinden mussten.

 

Gleichzeitig brachte MiCA neue Anforderungen für Stablecoins – digitale Währungen, die meist an den US-Dollar oder den Euro gekoppelt sind. Einige internationale Stablecoin-Anbieter hatten Schwierigkeiten, die neuen EU-Auflagen zu erfüllen, was zu Delistings bei europäischen Börsen führte.

 

WAS IST MICA?

MiCA steht für Markets in Crypto-Assets und ist das erste umfassende europäische Regelwerk für Kryptomärkte. Es trat in zwei Phasen in Kraft: Für Stablecoins ab Juni 2024, für alle anderen Kryptowerte zum Jahresende 2024. MiCA legt fest, wer Kryptowährungen anbieten, handeln oder verwahren darf – und unter welchen Bedingungen. Ziel ist ein einheitlicher europäischer Binnenmarkt für digitale Assets.

Fazit & Ausblick

Was Q1 2025 für uns bedeutet
 

Rückblick: Die drei zentralen Narrativen des Quartals

Blickt man auf das erste Quartal 2025 zurück, kristallisieren sich drei zentrale Narrative heraus, die den Markt, die Politik und die öffentliche Debatte geprägt haben.

 

Narrativ 1: Bitcoin wird politisch

Mit der strategischen Bitcoin-Reserve der USA betritt Bitcoin eine neue Bühne: die der geopolitischen Finanzpolitik. Das Asset, das ursprünglich als Alternative zu staatlichen Währungssystemen entworfen wurde, wird nun von Nationalstaaten als strategische Reserve in Betracht gezogen. Ob das der ursprünglichen Vision entspricht oder ihr widerspricht – die Auswirkungen auf Preis, Nachfrage und globale Wahrnehmung sind real.

 

Narrativ 2: Institutionelle Adoption normalisiert sich

Das erste Jahr der Bitcoin-Spot-ETFs zeigte: Institutionelle Investoren nehmen Bitcoin ernst. Nicht als Spekulationsobjekt, sondern als Anlageklasse mit einem festen Platz in diversifizierten Portfolios. BlackRock, der weltgrößte Vermögensverwalter, hält Bitcoin – das hätte noch 2020 als unvorstellbar gegolten.

 

Narrativ 3: Korrektur als gesundes Zeichen

Dass der Kurs nach dem Allzeithoch korrigierte, war kein Zeichen von Schwäche – es war ein Zeichen normaler Marktdynamik. Überhitzte Märkte brauchen Atempausen. Wer diese Korrektur als Crash interpretiert, übersieht, dass Bitcoin das Quartal noch immer deutlich über dem Niveau des gesamten Jahres 2023 abschloss.

 

Offene Fragen mit Blick auf Q2 2025

  • Wie entwickelt sich die strategische Bitcoin-Reserve? Wird der Kongress den Bitcoin Act of 2025 verabschieden und Trumps Dekret gesetzlich verankern?
  • Wie reagiert die restliche Welt? Werden andere Länder – inspiriert von den USA – ähnliche Schritte unternehmen?
  • Stabilisieren sich die Bitcoin-ETFs? Werden die Nettozuflüsse nach der Schwächephase im Februar wieder anziehen?
  • Wie entwickelt sich die Regulierung in Europa? Setzt MiCA Impulse für mehr Investitionen in europäische Krypto-Infrastruktur?
  • Was macht der Makro-Kontext? Zinspolitik der Federal Reserve, globale Liquidität und Inflationsdaten bleiben zentrale Einflussfaktoren.

Wir bei Financial Pulse Network glauben: Wer die Hintergründe versteht, trifft bessere Entscheidungen – nicht nur bei Finanzen, sondern generell. Dieser Bericht ist unser Beitrag dazu. Feedback, Fragen und Diskussionen sind ausdrücklich willkommen.

 

Quellen: blocktrainer.de | Federal Reserve | EZB | Global Macro Investor | JP Morgan Asset Management